Stellungnahme zum Thema Freilaufkatzen / Wohnungskatzen

Wenn es um unsere Schützlinge geht, entscheiden wir uns in jedem Einzelfall für die beste Lösung. Unsere Tiervermittlung läuft hervorragend, trotz oder gerade wegen unserer strengen Kriterien und unserer besonderen Philosophie. Viele Tierfreunde nehmen weite Wege in Kauf, um ein Tier aus unserem Tierheim zu bekommen. So vermitteln wir z.B. sehr viele Vierbeiner nach Bielefeld. Besucher, die mehrere Tierheime kennen, sind immer voll des Lobes über die Sauberkeit unserer Anlage und über den hervorragenden körperlichen und psychischen Zustand unserer Tiere. Auch die kompetente Beratung durch unser Tierheim-Team wird immer wieder hervorgehoben.

Wir haben z. Zt. in unseren sechs Katzenstuben nur 38 Tiere, da wir insbesondere vor den Sommerferien sehr gut vermittelt haben. Den „Katzenstau“ gibt es in unserem Quarantänebereich und in den Pflegestellen für Katzenkinder, da sich ab 01. Juni 2008 die Anzahl der Neuzugänge verdreifacht hat.
Sie werden feststellen, dass Tierheime, die weniger strenge Maßstäbe anlegen und z.B. Katzen überwiegend oder ausschließlich in den Freigang geben, nicht weniger Probleme haben als wir, im Gegenteil! In mehreren Tierheimen Ostwestfalens wurden bereits im vergangenen Jahr wegen hoffnungsloser Überfüllung wochenlange Aufnahmestopps für Katzen verhängt, in unserem Tierheim jedoch nicht!

In den Freigang geben wir nur scheue Katzen, um ihre Vermittlungschancen zu erhöhen. Diese Katzen haben draußen eine erheblich größere Überlebenschance, als zutrauliche Schmuser, weil sie in allen Situationen viel vorsichtiger agieren.
Voraussetzung ist natürlich eine entsprechend geeignete Wohnlage. Auch Katzen, die nach unseren eingehenden Beobachtungen in einer Wohnungshaltung unglücklich wären, geben wir in den Freigang. Gottseidank sind das aber Ausnahmen.

Die Ära der Freilaufkatzen ist vorbei. Leider wollen viele Menschen das nicht einsehen. Wir nehmen ihnen ihre Kritik jedoch nicht übel, denn sie haben ja auch nicht die Einblicke und Erfahrungen, die wir seit Jahrzehnten haben. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, die Sachlage einmal genauer zu erläutern.

Täglich erreichen uns mehrere Anrufe verzweifelter Katzenhalter, deren Tiere spurlos verschwunden sind. Immer mehr Katzen fallen dem immer stärker werdenden Straßenverkehr zum Opfer, selbst in verkehrsberuhigten Zonen. Wir bergen in unserem Bereich auch die Unfalltiere. Manche Katzen holen wir schreiend und blutend von der Straße, andere werden erst nach Tagen schwer verletzt im Graben oder auf einem angrenzenden Feld gefunden. Im Sommer wimmelt es in den Wunden von Fliegenmaden, und die hilflosen Unfallopfer werden bei lebendigem Leibe „aufgefressen“.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, welcher Katzenhalter es sich finanziell noch leisten kann, seine verunfallte Katze für einige hundert Euro operieren bzw. tierärztlich behandeln zu lassen.
Rund 20.000 Katzen werden allein in NRW jährlich von Jägern im Rahmen des Jagdschutzes getötet. Immer mehr Freigänger, die spurlos verschwinden, werden nie gefunden. Kein Wunder, denn sie liegen irgendwo totgeschlagen und vergraben. Immer weniger Menschen tolerieren es, dass Nachbars Katzen ihren Garten als „Katzenklo“ benutzen, die Sandkästen der Kinder und Gartenmöbel verunreinigen, exotische Gehölze beschädigen, teure Fische wie Kois und Störe aus den Gartenteichen holen und Vögel fangen. Wir haben seit mehreren Jahren mit einer ständig steigenden Zahl von Anrufern zu tun, die sich von freilaufenden Katzen belästigt fühlen.

Tödliche Katzenkrankheiten wie z.B. FIV (Katzenaids) oder FIP breiten sich immer mehr aus. Jeder Freigänger ist täglich der Gefahr ausgesetzt, sich mit todbringenden Viren zu infizieren.
In unserer schnelllebigen Zeit wechseln auch Katzenhalter öfter die Wohnung. Während Wohnungskatzen meistens problemlos mit umziehen dürfen, werden Freigänger wegen der auftretenden Schwierigkeiten vermehrt ins Tierheim abgegeben oder sogar unversorgt zurückgelassen. Alle diese grausamen Schicksale wollen wir unseren Schützlingen ersparen.

Ein weiterer Grund, Katzen möglichst als Stubentiger zu halten, ist der Schutz der heimischen Wildtiere, der jedem echten Tierfreund am Herzen liegen sollte. Eine Katze fängt nicht nur Ratten und Mäuse, sondern alles, was sich bewegt und was sie überwältigen kann. Zu ihrem Beutespektrum gehören z.B. Schmetterlinge, Libellen, Eidechsen, Frösche, Mauswiesel, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Spitzmäuse, Wildkaninchen, junge Feldhasen, Singvögel sowie Fasanen-und Rebhuhnküken. Unsere Wildtiere sind durch die stark gestiegene Anzahl verwilderter Hauskatzen schon genug „gebeutelt“. Das allein ist schon Grund genug, jede Katze, die als Wohnungskatze geeignet ist, auch als solche zu halten. Ausnahmen sollte es auf Bauernhöfen und ähnlichen ländlichen Anwesen geben, auf denen ein grosses Beuteangebot in Form von Ratten und Mäusen vorhanden ist.

Es gibt noch viele andere Gründe, die gegen den Freilauf und für die ausschliessliche Wohnungshaltung von Katzen sprechen . Die wichtigsten wurden von uns genannt und erläutert. Für weitere Fragen stehen wir Tierfreunden in unserem Tierheim in Bünde-Ahle während der Öffnungszeiten gern zur Verfügung.

Tierschutzverein Herford e.V.